Konservierende Bodenbearbeitung in Europa
 

Inhalt

 

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Konventionelle und konservierende Bodenbearbeitung, Umweltrelevante Aspekte

4. Wirtschaftlichkeit konservierender und konventioneller Bodenbearbeitung

5. Gegenwärtiger weltweiter Status der konservierenden Bodenbearbeitung

6. EU Agar-Umwelt Politik und konservierende Bodenbearbeitung

7. Schlußfo18lgerungen

8.  Literatur

Anhang 1: Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung

Anhang 2: Bilder

  • Konventionelle Bodenbearbeitung

  • Konservierende Bodenbearbeitung

 

1. Zusammenfassung

Ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Umwelt ist nicht von der Hand zu weisen. Denn tatsächlich sind in der Europäischen Union 50.5% der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt und weitere 27.9% entfallen auf Wald. Im letzten Jahrzehnt hat die gemeinsame EU-Agrarpolitikpolitik (CAP) zwar einerseits dazu beigetragen, die Modernisierung der Landwirtschaft in Europa zu fördern. Andererseits war und ist zu erkennen, dass diese Modernisierung von negativen Einflüssen auf die Umwelt begleitet wurde.

Konventionelle Landwirtschaft, vielerorts charakterisiert durch das Verbrennen und/oder Entfernen von Stroh und durch intensive Bodenbearbeitung, wird nach wie vor allgemein in Europa praktiziert und weist konsistente negative Effekte auf Boden, Wasser- und Luftqualität, das globale Klima, Biodiversität und Landschaft auf.

In Europa ist Bodendegradierung aufgrund von Erosions- und Verdichtungsprozessen wahrscheinlich das wichtigste Umweltproblem, das von konventioneller Landwirtschaft verursacht wird. Rund 157 Millionen Hektar (16% von Europa, fast 3mal so groß wie Frankreich) sind hiervon betroffen. Die durchschnittliche jährliche Bodenerosionsrate in Europa (17 Tonnen pro Hektar und Jahr) übersteigt bei weitem die durchschnittliche Rate der Bodenneubildung (1 Tonne pro Hektar und Jahr). Die meisten EU Länder sind hiervon, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, betroffen. Insbesondere ist im Mittelmeerraum die Bodenerosion sehr gravierend und betrifft 50% bis 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Intensivierung der Landwirtschaft, u.a. geprägt durch zunehmende Mechanisierung in Bodenbearbeitungs-, Pflege- und Erntetechnologie, wie auch die Ausrichtung auf rein ökonomisch geprägte Anbaufolgen haben in den letzten 50 Jahren wesentlich zu diesem Trend beigetragen und das Risiko der Bodendegradierung auf gefährdeten Standorten gesteigert.

Bodenerosion hat nicht nur eine erhebliche ökonomische Auswirkung durch Minderung der Bodenfruchtbarkeit auf den betroffenen landwirtschaftlichen Flächen, sondern verursacht auch erhebliche infrastukturelle off-site Schäden. Nach Schätzungen ist davon auszugehen, dass durch Bodenerosion die landwirtschaftlichen Produktionskosten um etwa 25% pro Jahr zunehmen (53 EUR pro Hektar). Unter Einbeziehung der on- und off-site Schäden werden die Gesamtkosten durch Bodenabtrag auf 85,5 EUR pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche geschätzt.

Ebenso wird die Wasserqualität durch konventionelle Landwirtschaft ernsthaft beeinträchtigt. Sediment von erodierten landwirtschaftlich genutzten Flächen ist bei weitem der wichtigste Kontaminant von Oberflächenwasser. Da Systeme der konservierenden Bodenbearbeitung zweifelsfrei dazu beitragen, die Bodenerosion erheblich zu vermindern (>90% für Direktsaat/no-tillage, >60% für nichtwendende Bodenbearbeitung), ließe sich durch ihre vermehrte Anwendung in der landwirtschaftlichen Praxis die Oberflächenwasserqualität signifikant verbessern. Weiterhin könnte durch konservierende Bodenbearbeitung, bedingt durch einen etwa 69% geringeren Oberflächenabfluß (Runoff) im Vergleich zur wendenden Bodenbearbeitung, eine Reduktion von ca. 70% des Herbizid-, >85% Nitrat und >65% des löslichem Phosphataustrages erreicht werden und damit zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen.

Wendende Bodenbearbeitung fördert den Humusabbau und produziert - wie auch das Abflämmen von Stroh - zusätzlich Kohlendioxid (CO2), welches in die Atmosphäre gelangt und zur globalen Erwärmung beiträgt. Historisch betrachtet hat in 20-30 Jahren intensive Bodenbearbeitung zu Verlusten an Kohlenstoff (Humus) von häufig über 50% geführt. Die Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung wie der Direktsaat wirkt diesen Effekten entgegen.

Die Biodiversität ist bei konventioneller Landbewirtschaftung eindeutig geringer, da ein Verzicht von Pflanzenrückständen auf oder nahe der Bodenoberfläche (reiner Tisch) keine ausreichende Nahrungsquelle und Habitat für die Bodenlebewesen liefert. Im Gegensatz dazu haben sich Produktionssysteme mit einem hohen Anteil an Ernterückständen wiederholt als attraktiv und geeignet erwiesen, um die unterschiedlichsten Formen der Makro-, Meso-, und Mikrofauna des Bodens gedeihen zu lassen.

Für die konservierende Bodenbearbeitung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die es ermöglichen, die Bodenstruktur zu schonen und die natürliche Biodiversität so wenig wie möglich zu verändern, und damit den Boden vor Degradation (z.B. Erosion und Bodenverdichtung) zu schützen. Einige dieser Verfahren sind die intensitätsreduzierte Bodenbearbeitung mit dem Belassen oder lediglich flachen Einarbeiten pflanzlicher Reststoffe (in Deutschland die eigentliche konservierende Bodenbearbeitung) und die Direktsaat. Allgemein umfaßt konservierende Bodenbearbeitung jedes Verfahren, das die Eingriffsintensität in den Boden verringert (bis zu Null: Direktsaat) und das Abbrennen von Reststoffen vermeidet. Dadurch wird, wie später aufgezeigt wird, der Boden vor Erosion und Oberflächenabfluss geschützt; Bodenaggregate werden stabiler, der Gehalt an organischer Substanz und Bodenfruchtbarkeit nehmen auf natürliche Art und Weise zu, und das Ausmaß von Bodenverschlechterung in der Krume nimmt ab. Weiterhin ist die Kontaminierung von Oberflächenwasser und die CO2-Emission geringer, und die Biodiversität verbessert sich.

Der wirtschaftliche Aspekt konservierender Bodenbearbeitung ist ein weiterer wichtiger Faktor, der zu betrachten ist. So erfordern in der konventionellen Bestellung Bodenbearbeitungsmaßnahmen erheblich höhere Investitionen für Maschinenausstattung, höhere Kosten für Instandhaltung, für fossile Brennstoffe sowie höheren Arbeitszeitaufwand im Vergleich zur konservierenden Bodenbearbeitung, insbesondere im Vergleich zur Direktsaat

In mediterranen Gebieten beträgt die geschätzte Treibstoffersparnis durch den Einsatz von Direktsaat auf den Flächen des Olivenanbaus etwa 60 bis 80 Liter pro Hektar. Im Falle einjähriger Fruchtarten sind es 31.5 Liter pro Hektar. Bei konservierender Bodenbearbeitung kann davon ausgegangen werden, dass der Energieverbrauch und Arbeitszeitbedarf im Bereich von 15 - 50% reduziert werden kann und die energetische Produktivität (Output Ertrag pro Input Energie) um 25 - 100% höher ist.

Weltweit hat sich seit einigen Jahren eine starke Interessengemeinschaft aus wissenschaftlicher und technologischer Forschung entwickelt, die das Wohl der Umwelt sowie die agronomische Leistung der konservierenden Bodenbearbeitung unterstützt. Weiterhin hat die Akzeptanz der Landwirte zur Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung im letzten Jahrzehnt in mehreren Ländern (USA, Kanada, Brasilien, Argentinien u. a.) deutlich zugenommen, jedoch nicht in Europa. Auch in der EU ist ein Wechsel von einer landwirtschaftlichen Technologie, die den Boden in seinen vielfältigen Funktionen belastet oder gar zerstört (konventionell), zu einer solchen, die den Boden, das Wasser und die Luftressourcen bewahrt, erforderlich.

 

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2. Einleitung  

 

Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Umwelt in der europäischen Union wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass von der Gesamtfläche der EU 50.5% landwirtschaftlich genutzt werden und 27.9% bewaldete Fläche sind. Nach der europäischen Umweltagentur lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Umwelt nachweisen (24).

Die gemeinsame Agrarpolitik (CAP) hat die Modernisierung der Landwirtschaft in Europa gefördert. Jedoch ist diese Modernisierung von umweltschädigenden Wirkungen begleitet worden (24). Konventionelle Bodenbearbeitung, immer noch allgemein in Europa praktiziert, hat konsistente negative Wirkungen auf die Luft und das globale Klima, Wasser (Kontaminierung durch Sediment, Nitrat und Pestizide), Boden (Erosion und Degradierung), Landschaft und Biodiversität (24).

Das Ziel dieses Berichts ist, die durch konventionelle Bodenbearbeitung in Europa verursachten wichtigen Umweltprobleme kurz zu umreißen und zu erläutern, wie sie durch die Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung überwunden werden können.

3. Konventionelle und konservierende Bodenbearbeitung Umweltrelevante Aspekte

Konventionelle Bodenbearbeitung weist im allgemeinen für die Umwelt schädigende Effekte auf. Sie umfaßt Verfahren wie z.B. das Verbrennen von Ernterückständen oder tiefe wendende Bodenbearbeitung zur Einarbeitung der Ernterückstände, zur Unkrautbekämpfung und Saatbettbereitung. Wie später gezeigt wird, verstärken diese Methoden deutlich Bodenveränderungen durch Verdichtung, Erosion und Kontamination der Fließgewässer mit Sediment, Düngemitteln und Pestiziden. Außerdem erhöht konventionelle Bodenbearbeitung die Emission von CO2 in die Atmosphäre, trägt zur globalen Erwärmung bei und beeinträchtigt die nachhaltige Landwirtschaft durch Reduzierung der organischen Substanz und Bodenfruchtbarkeit, gekoppelt mit weiteren negativen Umweltwirkungen (Biodiversität des Bodens).

Für die konservierende Bodenbearbeitung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die es ermöglichen, die Bodenstruktur zu schonen und die natürliche Biodiversität so wenig wie möglich zu verändern, und damit den Boden vor Degradation (z.B. Erosion und Bodenverdichtung) zu schützen.

Im Allgemeinen umfaßt konservierende Bodenbearbeitung jedes Verfahren, das die Eingriffsintensität in den Boden verringert oder nahezu völlig auf den Eingriff (beschränkt auf den Saatschlitz) verzichtet und das Abflämmen von Ernterückständen vermeidet. Wie später aufgezeigt wird, ist der Boden vor Erosion durch Niederschläge und Wasser Runoff geschützt; Bodenaggregate sind stabilisiert, der Gehalt des Bodens an organischer Substanz und die Bodenfruchtbarkeit nehmen auf natürliche Art und Weise zu, und es tritt weniger Bodenverdichtung auf. Weiterhin ist die Kontaminierung von Oberflächenwasser und die Emission von CO2 in die Atmosphäre verringert, und die Biodiversität nimmt zu.

 

3a. Bodendegradation

Bodenerosion ist weltweit die wesentliche Umweltbedrohung für die Nachhaltigkeit der Standortproduktivität in der konventionellen Landwirtschaft. Während der letzten 40 Jahre ist beinahe ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Welt durch Erosion dezimiert worden. Diese Entwicklung setzt sich mit einer Rate von mehr als 10 Millionen Hektar pro Jahr fort (41).

In Europa ist Bodenerosion auf vielen Standorten ein ernsthaftes Problem und beeinflußt alle Länder in einem gewissen Umfang (50). Etwa 115 Millionen Hektar (12% der europäischen Gesamtfläche, mehr als die doppelte Größe von Frankreich) sind von Wassererosion und 42 Millionen Hektar (4% der europäischen Gesamtfläche) von Winderosion betroffen (39). Im westlichen Zentral-Europa sind ca. 25 Millionen Hektar bedroht (21). Bodenerosion und Degradation sind im Mittelmeerraum besonders gravierend. In diesen Regionen kann Wassererosion das Ergebnis eines Verlustes an 20 bis 40 Tonnen Boden pro Hektar durch ein einzelnes massives Niederschlagsereignis sein und mit mehr als 100 Tonnen pro Hektar bei extremen Niederschlagsereignissen zu Buche schlagen (37). So werden in Spanien über 50% der landwirtschaftlichen Nutzfläche als stark erosionsgefährdet eingestuft (43). In der Südregion liegt dieser Anteil bei über 70% (19).

Die durchschnittliche Bodenerosionsrate in Europa liegt bei etwa 17 Tonnen pro Hektar und Jahr und übersteigt damit die durchschnittliche Rate der Bodenneubildung von etwa 1 Tonne pro Hektar und Jahr in erheblichem Mass (48). Erosion und Bodendegradierung nehmen in Europa zu (6; 21), und damit steigt auch das Risiko der Wüstenbildung in den am meisten gefährdeten Regionen (24). Die Intensität konventioneller Bodenbearbeitung mit massivem Bodeneingriff der Werkzeuge in die Krumenstruktur während der letzten 50 Jahre hat zum größten Teil zu diesem Trend beigetragen, besonders in Westeuropa.

Erträge von erodierten Böden sind niedriger als jene der geschützten Böden, weil Erosion Bodenfruchtbarkeit und Wasserverfügbarkeit verringert. Zum Beispiel sind die Erträge auf stark erodierten Böden auf einigen Standorten 9% bis 34% niedriger als jene auf leicht erodierten (38). Auch die Wasserressourcen nehmen aufgrund von Erosion ab. Zum Beispiel auf leichten Böden, die eine hohe Wasserinfiltrationsrate aufweisen, hat konventionelle Bearbeitung als allgemeinen Effekt ein feines Saatbett zur Folge, das sehr verschlämmungsanfällig ist. Dadurch nimmt die Infiltrationsrate ab, Oberflächenabfluss tritt über eine längere Periode auf und das Niederschlagswasser steht damit für die Grundwasserneubildung nicht zu Verfügung (30).

Die Verwendung großer Mengen von Düngemitteln und Pestiziden sowie Bewässerung helfen, die schädlichen Effekte der Erosion auszugleichen, aber durch sie wird das Potential für Umweltbelastungen und gesundheitliche Probleme nur noch erhöht, indem natürliche Habitate zerstört werden und hoher Energieverbrauch die Folge sind.

 

 
Abb. 1. Effizienz (%) der Direktsaat hinsichtlich der Verminderung von Bodenerosion im Vergleich zu konventioneller Bodenbearbeitung (pflügen) über mehrere Jahre in Indiana (USA) (46).

Tatsächlich nehmen infolge Erosion die landwirtschaftlichen Produktionskosten um 25% pro Jahr zu (41). Im Gegensatz dazu nimmt zwar bei Verzicht auf Krumenwendung und insbesondere bei Direktsaatanwendung generell die Lagerungsdichte des Bodens zu (3), Aggregatstabilität und vertikal geprägte Porensysteme bewirken aber hier eine hohe Funktionalität des Bodenkörpers für Gasaustausch und Infiltration. Die höhere Bodenfestigkeit erhöht daneben die Befahrbarkeit des Bodens, insbesondere unter feuchteren Bedingungen und mindert die Gefahr von Bodenverdichtungen im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung (22, 46).

Anbauverfahren, die die Bodenoberfläche während der Regensaison unbedeckt lassen und Reststoffe verbrennen sind die Ursache für Erosion. Intensive Bodenbearbeitung und eine solche, die bei geringer Bodenfeuchte durchgeführt wird, haben eine Verschlechterung der Bodenstruktur und die Sensitivität hinsichtlich Erosion zur Folge (24).

Während der 50er und 60er Jahre wurde terrassenförmiger Anbau empfohlen sowie die Bearbeitungsrichtung parallel zu den Höhenlinien gelegt, um Erosion zu verringern, obwohl es sich dabei um kostspielige und/oder nur teilweise wirkungsvolle Maßnahmen handelt. In den letzten Jahrzehnten hat es eine große Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen gegeben, die belegen, dass durch konservierende Bodenbearbeitungsmethoden mit Verzicht auf das Abbrennen von Stroh und oberflächennaher Einarbeitung der Bestandesrückstände eine drastische Verringerung (>90-95%) der Erosion erreicht werden kann (Abb. 1).

3b. Bodenqualität

Bodenqualität wird zum größten Teil vom Gehalt an organischer Substanz bestimmt. Dieser ist dynamisch und reagiert wirksam auf Änderungen in der Bodenbewirtschaftung. Mit Ausnahme von intensiver Tierproduktion mit einem erheblichen Überschuß an organischem Dünger, nimmt der Gehalt an organischer Substanz vieler kultivierter Böden in Europa in Folge moderner intensiver Landwirtschaft ab (24). So wurde zum Beispiel vom Boden- Untersuchungs- und Landforschungszentrum (Soil Survey and Land
Abb. 2. Organischer Substanzgehalt im Oberboden (%) bewirtschafteter Böden in England und Wales, 1980 und 1995. Daten des Bodenuntersuchungs- und Landforschungszentrums GB (Soil Survey and Land Research Centre, MAFF. UK. 1997) (24).

Research Centre) in Großbritannien unter konventioneller Bestellung von 1980 bis 1995 eine Abnahme in der Anzahl von Standorten mit einem hohen Gehalt an organischer Substanz festgestellt (> 4%) (Abb. 2) und eine Zunahme an Standorten mit organischem Kohlenstoffgehalt von unter 4%. Ähnliche Ergebnisse wurden von anderen Forschergruppen erzielt; in ungefähr 20 Jahren intensiver Bodenbearbeitung haben die meisten landwirtschaftlich genutzten Böden 50 % des Bodenkohlenstoffs verloren (Abb. 3) (33).
Abb. 3. Veränderung des Gehalts an organischer Bodensubstanz mit den Jahren der Bewirtschaftung (33). .

 

Ein Rückgang des Gehalts an organischer Substanz beeinflußt Bodenstruktur und ­stabilität, Wasserspeichervermögen, Pufferkapazität, biologische Aktivität und die Speicherung wie Austausch von Nährstoffen. Mittel- oder langfristig wird hiermit die Anfälligkeit des Bodens für Erosion, Verdichtung, Versauerung, Versalzung, Nährstoffmangel und Dürre erhöht (24).

Demgegenüber lässt sich nachweisen, dass durch einen Wechsel von konventioneller (Pflugeinsatz) zu konservierender Bodenbearbeitung und Direktsaat/no-tillage der Gehalt an organischer Substanz im Boden im Laufe der Zeit zunimmt (Abb. 4a und b) (28; 29).
Abb. 4a. Effekt langjähriger (12 Jahre) Bodenbearbeitungssysteme (Direktsaat, Minimal- und konventionelle Bodenbearbeitung) auf den Gehalt an organischer Substanz (oberste 50 cm; Carmona, Süd Spanien) (28). .

 

Abb. 4b: Organische Substanz (t/ha) des Bodens in zwei Tiefen nach 18 Jahren Anwendung differenzierter Bodenbearbeitungssysteme im Getreidebestand in Ontario, Kanada (29).

 

 

Der Wassergehalt des Bodens ist oft ein begrenzender Faktor in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion, besonders unter semiariden und ariden Standortbedingungen. Pflanzenrückstände auf der Bodenoberfläche vermindern Wasserverdunstung, während jede Bearbeitungsmaßnahme diese erhöht. Zahlreiche Untersuchungen und Berichte belegen, dass konservierende Bodenbearbeitungsmethoden wie auch Direktsaat das Wasserspeicherungsvermögen im Bodenprofil erhöhen und dies im Vergleich zu konventionellen Methoden (Pflugeinsatz) dazu führt, dass besonders in Trockenjahren die Pflanzenbestände noch ausreichend mit Wasser versorgt werden können, was sich dann in höheren Erträgen widerspiegelt (4).

3c. Wasserqualität

Bodensedimente sind die weitaus wichtigsten verunreinigenden Stoffe von Oberflächenwasser. Sie schädigen das Ökosystem-Wasser durch Verminderung der Sonnenlichteinstrahlung auf Wasserpflanzen und verschlechtern die Lebensräume von Fischen und anderen Organismen (11). Andere wasserverunreinigende Stoffe in abnehmender Ordnung sind Nährstoffe, Krankheitserreger, organische Substanzen, Schwermetalle und Pestizide (11) (Abb. 5).

 

Abb. 5. Kontaminanten des Oberflächenwassers in abnehmender Reihenfolge (11).

 

Gravierende off-site Probleme werden verursacht durch Bodensedimente, die im Oberflächenwasser von erodierten landwirtschaftlich bearbeiteten Flächen transportiert werden. Diese umfassen Schäden an Straßen und Kanalisation, Verschlammung von Häfen und Kanälen und bedeuten Verlust an Bodenfruchtbarkeit und außerdem erhöhte Wasseraufbereitungskosten. Zusätzlich werden die in Flußnähe gelegenen Feuchtgebiete durch Sedimentablagerung belastet.

Der ökonomischer Schaden von off-site Bodenerosion beträgt beinahe 40% der Gesamtkosten der Erosion (41). Schätzungsweise ließen sich durch Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung die off-site Schäden durch Bodenerosion bis zu 32 EUR pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche vermeiden. Auf diese Art würde auch die Allgemeinheit erheblich durch ein verändertes Bodenmanagement profitieren. Summiert man die Kosten von off-site und on-site Erosionsschäden, so werden die Gesamtkosten der Erosion durch Landwirtschaft in den USA auf jährlich ca. 85.5 EUR pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche geschätzt (41).

Konservierende Bodenbearbeitungssysteme verringern in erheblichem Ausmaß die Bodenerosion bis zu 90 % oder mehr bei Direktsaat/no-tillage (47) und mit über 60 % bei nichtwendender Bodenbearbeitung (9) im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung. Folglich kann durch die Anwendung dieser Technologien die Oberflächenwasserqualität durch Reduzierung des Sedimentaustrages signifikant verbessert werden.

Nährstoff- und Pestizidaustrag von landwirtschaftlichen Flächen haben eine erhebliche Bedeutung für die Wasserqualität, wenn sie sich von der Ackerfläche in Richtung Oberflächenwasser oder Grundwasser bewegen und können somit dazu führen, dass die zulässigen Trinkwasserstandards überschritten werden. In hohen Konzentrationen können Pestizide auch für Fische, Pflanzen oder andere Wasserorganismen schädlich sein. Ammonium kann auf Fische toxisch wirken, Nitrate und Phosphate fördern das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen und führen zu einer beschleunigten Eutrophierung der Gewässer.

Oberflächennahe Pflanzenrückstände, die für konservierende Bodenbearbeitung charakteristisch sind, helfen Agrochemikalien abzufangen und an die organische Substanz zu binden, bis sie entweder von den Pflanzen aufgenommen und genutzt oder zu harmlosen Komponenten abgebaut werden. Tatsächlich verringert konservierende Bodenbearbeitung über Adsorption von Chemikalien an die organische Substanz den Austrag über Runoff (26). Zum Beispiel sind auf Böden, die mit nichtwendenden Bodenbearbeitungssystemen bewirtschaftet werden, Herbizidemissionen in Absonderungen von Drainwasser wesentlich verringert worden, ebenso Emissionen des Nitrat-Stickstoffs (>85%) und löslicher Phosphate (>65%) (32). Ein umfassender Vergleich der Bearbeitungssysteme zeigt, dass im Durchschnitt Direktsaat bis zu 70% weniger Herbizid Runoff, 93% weniger Sedimentaustrag und 69% weniger Wasser Runoff verursachte, als Pflügen, ein wahrer Segen für die Verbesserung der Wasserqualität (9; 26).

Bei konservierender Bodenbearbeitung werden verschiedene Methoden zur Anwendung der chemischen Betriebsmittel eingesetzt, die in vielen Fällen zu einem reduzierten Verbrauch beitragen. So minimieren die Banddüngung bzw. die Injektion statt einer Flächenausbringung das Risiko des Abtrages durch Wasser oder Wind. Unkrautkontrolle bei konservierender Bodenbearbeitung muß nicht mit einer höheren Aufwandmenge an Herbiziden verbunden sein als bei konventioneller Bestellung. Zu bevorzugen sind die kurzlebigen nicht bodenaktiven Agrochemikalien, die eine äußerst niedrige Ökotoxikologie aufweisen und nach dem Auflaufen der Unkräuter angewendet werden. Wo möglich ist durch einen Zwischenfruchtanbau eine gute unkrautunterdrückende Wirkung zu erzielen (8)

3d. CO2 Emission und globale Erwärmung

Die mittlere Jahreslufttemperatur in Europa ist um 0.3 - 0.6 C seit 1990 gestiegen, und Klimamodelle prognostizieren weitere Zunahmen (24). Die bei der Verbrennung fossilen Treibstoffs entstehenden CO2 Emissionen sind die dominierende Ursache für die Erhöhung der atmosphärischen globalen Erwärmung. Die CO2 Konzentration nachhaltig zu reduzieren, wird als außerordentlich schwierig angesehen.

Der landwirtschaftliche Sektor trägt weltweit etwa zu einem Fünftel des jährlichen Anstiegs des Treibhauseffektes bei, produziert etwa 50 bis 75% von anthropogenen Methan- und Lachgasemissionen und etwa 5% von CO2-Emissionen (12). Abholzung, Verbrennen von Biomasse und andere Landnutzungsänderungen machen zusätzliche 14% aus.

Konventionelle Bodenbearbeitung trägt zur Klimaänderung maßgeblich bei. Bodenwendung durch Pflügen ist eine Hauptursache der CO2 Emission von Ackerland (35). Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass intensive Bodenbearbeitung eine signifikante Komponente für die Zunahme atmosphärischen CO2-Gehaltes gewesen ist, die in den letzten wenigen Jahrzehnten aufgetreten ist (35).

Historisch hat intensive Bearbeitung landwirtschaftlichen Bodens zu wesentlichen Verlusten an Bodenkohlenstoff geführt, die von 30 bis 50% reichen (20). Diese CO2 Verluste hängen mit dem Aufbrechen des Bodens zusammen, wodurch die Freisetzung von CO2 aus dem Boden durch erhöhte Mineralisierung organischer Substanzen erleichtert wird. Weiterhin wird bei intensiver Bodenbearbeitung das Treibhausgas (CHG) emittiert. Etwa 20% des Treibhauseffekts ist mit landwirtschaftlichen Aktivitäten verbunden (13). Dies alles trägt zur globalen Erwärmung bei.

Demgegenüber steigt unter konservierender Bodenbearbeitung bis zur Direktsaat der Humusgehalt des Bodens jährlich bis zu einer Rate von 1.0 Tonnen pro Hektar oder mehr (2). Die 17 Millionen Hektar unter dem Conservation Reserve Programme in den USA (für stark erosionsgefährdete Flächen, die in dauerhafte, nicht bearbeitete Grünlandnutzung umgewandelt werden) werden etwa 45% der in die Atmosphäre freigesetzten Emissionen der amerikanischen Landwirtschaft entgegenwirken (27). Folglich gibt es auf der Grundlage gesicherter Forschungsergebnisse einen starken Trend zugunsten der Annahme, dass konservierende Bodenbearbeitung dem Verlust an Bodenkohlenstoff entgegenwirkt und die CO2 Emission vom Boden in die Atmosphäre stark reduziert (35; 40; 42).

Je weniger bearbeitet wird, um so mehr organische Substanz reichert sich im Boden an und verbessert damit die nachhaltige Produktivität des Standortes. Ein hoher Gehalt an organischer Substanz vermindert gleichzeitig die Wasserverschmutzung durch höhere Stabilität gegen Runoff, verbesserte Infiltration des Niederschlags und durch Abbau oder Fixierung von Agrochemikalien. Berechnungen deuten daraufhin, dass wenn in Europa 100% der Ackerfläche mit konservierender Bodenbearbeitung bis zur Direktsaat bearbeitet würden, dies alle Emissionen fossiler Brennstoffe der Landwirtschaft mildern könnte. Dies entspricht nur ca. 4.1% des gesamten anthropogenen CO2-Kohlenstoffs der jährlich in Europa produziert wird bzw. 0.8% der globalen jährlichen CO2-Kohlenstoffs Emissionen (44).

3. e. Biodiversität

Konventionelle Bodenbearbeitung hinterläßt für lange Zeit einen unbedeckten Boden. Unzureichende Qualität des Lebensraums und spärlicher Nistschutz sind Probleme für viele Vogelarten. Im Gegensatz dazu kann eine Bewirtschaftung, die einen hohen Anteil an Pflanzenrückständen hinterläßt, Nahrung und Schutz für die Tierwelt in kritischen Zeiten schaffen. Dies ist der Grund dafür, dass konservierende Bodenbearbeitung, welche einen hohen Anteil an Pflanzenrückständen hinterläßt, attraktiv und wertvoll ist, damit verschiedenste Formen der Tierwelt (Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien) auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wachsen und gedeihen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass nicht bearbeitete Flächen eine höhere Vogeldichte (und Nester) aufweisen und während der Brutzeit von einer höheren Vielfalt an Vogelarten genutzt werden als bearbeitete Flächen (5) und sich günstig auf die Vogelpopulation auswirken (49).

Die Bodenfauna besteht aus zahlreichen und unterschiedlichen Organismen. So enthält 1 Gramm Boden allein bis zu 3 Milliarden Bakterien. Regenwürmer mit bis zu 20cm Länge können mit bis zu 9.5 Millionen Exemplaren pro Hektar im Boden vorhanden sein. Die überwältigende Mehrheit der Spezies der Bodenfauna ist nützlich für die Pflanzenproduktivität durch ihre Effekte auf Bodenbildung, Nährstoffmineralisierung und biologische Kontrolle von Schädlingen. Konservierende Bodenbearbeitung wirkt sich positiv auf die Bodenstruktur aus, es entwickelt sich eine mehr natürlich gelagerte Bodenstruktur, die eine größere Abundanz und Diversität der Bodenorganismen wie Mikroorganismen, Nematoden, Regenwürmer und Mikroarthropoden unterstützt (36; 51).

 

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4. Wirtschaftlichkeit konservierender und konventioneller Bodenbearbeitung

Für konventionelle Bodenbearbeitung werden im Vergleich zur konservierenden Bodenbearbeitung oder gar der Direktsaat/no-tillage für die Bearbeitungsmaßnahmen erheblich höhere Inputs an Maschineninvestitionen und Instandhaltung, fossilen Brennstoffen und Arbeitszeitbedarf erforderlich. Werden Ackerflächen z. B. in Olivenhainen mit Direktsaat bestellt, wird der jährliche Treibstoffverbrauch um ca. 60 bis 80 Liter und der Arbeitszeitbedarf um 3 bis 5 h/ha gesenkt im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung (10). Generell reduziert konservierende Bodenbearbeitung den Energieverbrauch für die pflanzliche Produktion und erhöht die Energieproduktivität ( Pflanzenertrag als Output pro Energie Input) im Umfang von 15 -50% beziehungsweise 25-l00% im Falle der Direktsaatanwendung (31).

Bei Direktsaat/no-tillage wird die Bestellung in einer einzelnen Überfahrt erledigt im Vergleich zu zwei oder mehr Bearbeitungsmaßnahmen bei konventioneller Bodenbearbeitung. Weniger Überfahrten führen zu Einsparungen von schätzungsweise 97 EUR pro Hektar durch geringere Wertminderung an Maschinen und Instandhaltungskosten (41). Daraus resultieren Einsparungen von 1940 EUR für einem 200 Hektar großen Betrieb und der Dieselkraftstoffverbrauch kann um 31.5 Liter pro Hektar im Vergleich zu konventioneller Bodenbearbeitung reduziert werden (41). In der Regel kompensieren oder übersteigen diese Einsparungen die Mehrkosten der konservierenden Bestellung (Einsatz von Herbiziden und Direktsaatmaschinen). So beträgt unter südeuropäischen Bedingungen die jährliche Kostenreduzierung durch Direktsaat im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung 40 bis 60 EUR pro Hektar. Daher sind die Motive von Landwirten, die konservierende Bodenbearbeitung angenommen haben, sehr stark durch die Kosteneinsparungen geprägt. Besonders deutlich gilt dies für Standorte, die nicht stark erosionsgefährdet sind und/ oder für Länder, in denen Landwirtschaft nicht staatlich subventioniert wird, wie beispielsweise Argentinien und Brasilien. In anderen Fällen ist die Motivation zur Anwendung der konservierenden Techniken eher geprägt durch Vermeidung von Bodenerosion, Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und Reduktion der unproduktiven Wasserverdunstung (7).

 

5. Gegenwärtiger weltweiter Status der konservierenden Bodenbearbeitung

 

Weltweit hat die Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen (Abb. 6). In 1996 wurde sie auf 78 Millionen Hektar praktiziert und nimmt kontinuierlich zu. Direktsaat/no-tillage ist in den letzten zehn Jahren von 6 auf 47.5 Millionen Hektar weltweit angewachsen.
Abb. 6. Weltweite Anwendung der Direktsaat. 1997 (Gesamt = 47,5 Mio. ha).

 

Die USA waren die Pioniere und sind auch heute führend in der konservierenden Bodenbearbeitung der 120 Millionen Hektar mit konservierenden Bodenbearbeitungsmaßnahmen bestellt, bei denen über 30% der Bodenoberfläche mit Stoppeln bedeckt gehalten werden, während konventionelle Bodenbearbeitung (unter 15% Bodenbedeckung mit Pflanzenresten) sich um 36.5% verringert hat. Der Anteil der Direktsaatflächen betrug über 18 Millionen Hektar.
Abb. 7. Entwicklung der konservierenden Bodenbearbeitung und der Direktsaat in den USA (18).

 

Andere Pionierländer bezüglich konservierender Bodenbearbeitung sind Australien, Kanada, Brasilien und Argentinien. Es ist darauf hinzuweisen, dass in den beiden letztgenannten Ländern, wo die Landwirtschaft nicht mit staatlichen Fördermaßnahmen unterstützt wird, die Direktsaat von nur wenigen tausend Hektar in 1992 auf über 12 bzw. 7 Millionen Hektar in 1998 gestiegen ist.

Bedauerlicherweise wird die konservierende Bodenbearbeitung in Europa derzeit nur sehr wenig angewendet, und wird in ihrem Ausmaß auf < 1 - 2% der landwirtschaftlichen Nutzfläche geschätzt und liegt damit weit hinter den oben genannten Ländern. Gegenwärtig sind Frankreich und Spanien die beiden Länder in Europa, in denen diese Technik am meisten praktiziert wird, 1998 auf ungefähr 1 bzw. 0.6 Millionen Hektar. Auch in anderen europäischen Ländern ist die relative Vorzüglichkeit dieser Technologie auf das Ökosystem-Boden bereits nachgewiesen und demonstriert worden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Technologien mit Unterstützung der Administration eine zunehmende Akzeptanz durch die Landwirte erfahren.

 

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6. EU Agar-Umwelt Politik und konservierende Bodenbearbeitung

 

Viele relevante EU Dokumente, von denen einige nachstehend in ihrer Kernaussage dargestellt sind, nennen eindeutig die durch Landwirtschaft verursachten Probleme und die Notwendigkeit, nach Lösungen zu suchen.

 

6a. Landwirtschaft und Umwelt, Direktorat General VI (DGVI), EU Kommission (16)

«Aufgrund ihres fundamentalen ökonomischen Interesses daran, die natürlichen Ressourcen für die Zukunft zu erhalten, haben die Landwirte ein besonderes Umweltinteresse. Es ist ökonomisch sinnvoller, die natürliche Erhaltung von Anfang an in Betracht zu ziehen, als den Schaden reparieren zu müssen, nachdem er verursacht wurde, und dies ist nicht in jedem Fall möglich».

«Umweltschutz und die Erhaltung der Natur schaffen zusätzliche Arbeit und Kosten für die Landwirte, aber in keinem anderen Bereich kann so viel für die Umwelt erreicht werden, für so wenig Einsatz. Wir dürfen nicht länger den Beitrag der Landwirte durch Umweltschutzmaßnahmen für die Gesellschaft als selbstverständlich nehmen, sondern müssen sie dafür angemessen ausgleichen».

6b. Fünfte europäische Kommission (EC) Umweltaktionsprogramm (15)

Konservierende Bodenbearbeitung trifft voll und ganz das fünfte EC Umweltaktionsprogramm «Towards Sustainability» (Ausrichtung auf Nachhaltigkeit) (15), seit es einen der fünf Zielbereiche (Landwirtschaft) abdeckt, und bietet Lösungen zu drei der wichtigsten sieben Zielbereiche: Klimaänderung, Management der Wasserreserven sowie Schutz der Natur und der Biodiversität.»

Auch im Fortschrittsbericht zur Durchführung dieses Programms, das am 19. Januar 1996 genehmigt wurde, war eine der Schlußfolgerungen für den landwirtschaftlichen Sektor, dass «öffentliche Autoritäten in Mitgliedsstaaten zusammen mit bäuerlichen Organisationen, der chemischen Industrie und nicht-staatlichen Organisationen (NGO5) das Bewußtsein fördern und Aktionen entwickeln sollen, die geeignet sind, die Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktion durch Nutzung extensiver Technologien sicherzustellen. Diese Aktionen sollten auf EU-Ebene unterstützt werden.»

6c. Agenda 2000: Gemeinsame Agrarpolitik und Agrar-Umwelt Instrumente (25)

Derzeit sind gemeinsame Regelungen in Sachen Umweltschutz zur Umsetzung in die Praxis auf dem Wege zur Durchführung. Am 15.Juli 1997 nahm die Kommission ein Paket von Maßnahmen genannt «Agenda 2000» an (25). Dies ist ein Schlüsselstrategiedokument, worin die Kommission ihre Ansicht darüber darlegt, wie die europäische Union über das Jahr 2000 hinaus ihre gemeinsame Politik entwickeln sollte. Unter ihren Maßnahmen, umreißt sie die zukünftige Reform der gemeinsamen Agrarpolitik. Sie spiegelt wider, dass in den kommenden Jahren den Agrar-Umwelt Instrumenten eine deutlich sichtbare Rolle gegeben wird, um eine nachhaltige Entwicklung von ländlichen Bereichen zu unterstützen und um auf den wachsenden Bedarf der Gesellschaft an Dienstleistungen im Bereich Umweltschutz zu antworten. Die Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Umweltqualität beizubehalten und zu verbessern, werden verstärkt und erweitert. Um die Umwelt besser in die Organisationen für einen gemeinsamen Markt zu integrieren, macht die Kommission den Vorschlag, Mitgliedsstaaten direkte Zahlungen zu ermöglichen, die an die Berücksichtigung des Umweltschutzes angepaßt sind. Außerdem werden die angestrebten Agrar-Umweltschutz Maßnahmen durch gesteigerte Haushaltsressourcen gestützt und angeregt wo notwendig diese durch höhere Raten der Co-Finanzierung zu stützen.

6d. COM (98)353(14) und Kyoto Protokoll (34)

Wie in der Mitteilung COM (98) 353 der Kommission dargelegt wird, ist «CO2 bei weitem das wichtigste Treibhausgas. Emissionen dieses Gases erklären ungefähr 80% der Auswirkung, wenn die Summe der Gasemissionen entsprechend ihres globalen Erwärmungspotentials beurteilt werden». Konservierende Bodenbearbeitung kann helfen, die Mitteilung COM (98) 353 der Kommission, die Entwicklung einer wirksamen Klimaänderungsstrategie in die Praxis umzusetzen, und dabei das Kyoto Protokoll in Betracht zu ziehen, das angibt «dass Verringerungen der Emissionen auch aus landwirtschaftlich genutzten Böden dazuzählen, dem Ziel der Klimastabilisierung zu entsprechen».

6e. Europas Umwelt: die zweite Einschätzung (24)

Diese Veröffentlichung widmet den Agrar-Umweltproblemen eine große Aufmerksamkeit und der «Bodendegradierung» ein besonderes Kapitel. Jedoch erkennt die europäische Umweltgeschäftsstelle deutlich, dass «Bodendegradierung ein Schlüsselproblem bezüglich der Umwelt in Europa darstellt, in der wenig Einflußnahme seitens der Politik vorhanden ist, da eine ungünstige Entwicklung des Umweltzustandes in den letzten Jahren aufgetreten ist» (s.S.16), und dass «Erosion/Degradation ernste Problembereiche bleiben, von denen die Mittelmeerländer besonders betroffen sind». Wenig Fortschritt ist auch in anderen Bereichen der Bodenerhaltung erreicht worden, dem besondere Aufmerksamkeit im Umweltprogramm für Europa (Environmental Program for Europe) mit der Schlüsselempfehlung gegeben wird. Es wird ausgeführt, dass «der offensichtlichste Fortschritt in der Reduzierung der Umweltbelastungen in jenen Bereichen gemacht worden ist, wo eine effiziente internationale Struktur für Aktionen eingeführt worden ist. Der Mangel an einer solchen Pan-Europäischen Struktur, z.B. für Bodendegradation, hat den Fortschritt für die Beurteilung derartiger Probleme verschoben». Leider wurden in den Ausführungen, die der Bodendegradierung gewidmet sind, keine klaren offenen Statements zu den konservierenden Bodenbearbeitungsmethoden gemacht, die eine wirkliche Lösung für das Problem sein könnten.

6f. Ausrichtung auf nachhaltige Landwirtschaft 1999 (15, 17)

In diesem sehr neuen Dokument ist der «von der Kommission zur Integration der Umwelt in der Landwirtschaft vorgenommene Ansatz aus ihren Agenda 2000 Vorschlägen» angelehnt. Tatsächlich wurde «nachhaltige Landwirtschaft zum Thema der EU im Amsterdamer Vertrag gemacht». Weiter betonten Kommissare/Ausschußmitglieder für Landwirtschaft und Umwelt gemeinsam, dass die «.. (E.U) die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Umwelt neu zu definieren hat, um sich in Richtung nachhaltige Landwirtschaft zu bewegen,...». Spezielle Analysen/Kommentare über die von der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Praxis abgeleiteten Umweltprobleme wurden unter vielen anderen Erklärungen gemacht bezüglich der Wasserqualität (Nitrat und Phosphat), der Landnutzung und des Bodens (Erosion und Degradation, «Mangel an effektiven Erosionskontrollmaßnahmen in Produktionssystemen», «Verbrennen von Erntenresten»....).

6g. Bodenschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Produktionsverfahren des Acker- und Pflanzenbaus müssten heute kostengünstig und zugleich bodenschonend sein. In § 17 des Bundesbodenschutzgesetzes (BbodSchG) werden Grundsätze für die gute fachliche Praxis formuliert. Diese sprechen auch und insbesondere die Bodenbearbeitung an.

In § 17 BBodSchG Abs. 2 steht u.a.: Zu den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis gehört insbesondere, dass die Bodenstruktur erhalten oder verbessert wird, Bodenverdichtungen, insbesondere durch Berücksichtigung der Bodenart, Bodenfeuchtigkeit und des von den zur landwirtschaftlichen Bodennutzung eingesetzten Geräten verursachten Bodendrucks, soweit wie möglich, vermieden werden, Bodenabträge durch eine standortangepaßte Nutzung, insbesondere durch Berücksichtigung der Hangneigung, der Wasser- und Windverhältnisse sowie der Bodenbedeckung, möglichst vermieden werden, die biologische Aktivität des Bodens durch entsprechende Fruchtfolgegestaltung erhalten oder gefördert wird und der standorttypische Humusgehalt des Bodens, insbesondere durch ausreichende Zufuhr an organischer Substanz oder durch Reduzierung der Bearbeitungsintensität, erhalten wird".

Konservierende Bodenbearbeitung ist eine Antwort auf solche Herausforderungen. Für ihre Umsetzung sind standortgemäß die Priorität der Bodenschutzprobleme und die Situation des Betriebes hinsichtlich Ökonomie,Technikausstattung und Know-how des Landwirts und der Beratung zu berücksichtigen (45).

 

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7. Schlußfolgerungen

 

Bodenerosion und Degradation und damit verbundene Umweltprobleme, die von landwirtschaftlichen Flächen ausgehen, sind als sehr ernsthaft in Europa einzustufen. Bis jetzt hat die gemeinsame Agrarpolitik nicht wirklich verlässlich eine umweltfreundliche landwirtschaftliche Praxis unterstützt. Im Licht gegenwärtiger Technologie kann konservierende Bodenbearbeitung effizient zur Lösung von Umweltproblemen in den Ländern Europas beitragen. Diese Probleme manifestieren sich grundsätzlich an Erosion und Verlust von Produktionspotential der Böden, der Verschmutzung des Oberflächenwassers, der Emission von CO2 und anderen Treibhausgasen als Ursache der zunehmenden globalen Erwärmung der Atmosphäre sowie dem Verlust an Biodiversität.

Konservierende Bodenbearbeitungsmethoden ließen sich in die unterschiedlichsten Betriebssysteme der EU Mitgliedsländer integrieren. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, dass, wenn sich landwirtschaftliche Praktiken einheitlich von konventioneller in Richtung konservierender ändern sollen, die Landwirte davon überzeugt sein müssen, dass eine neue Art der Bewirtschaftung erforderlich ist, welche sich stark unterscheidet von der traditionellen/konventionellen Bewirtschaftung, die sie über Generationen hinweg eingesetzt haben. Beispielsweise müssen neue Methoden bezüglich des Unkrautmanagements gelernt werden und die Betriebsausstattung muß angepaßt und/oder reorganisiert sein, um konservierende Techniken sachgerecht anzuwenden. Deshalb sind verstärkte Bemühungen auf der administrativen Seite erforderlich, um die Technologie der konservierenden Bodenbearbeitung in die Praxis zu übertragen.

Die Agenda 2000 muß für die gemeinsame Agrarpolitik der Wendepunkt für die Integration von guter Umwelt und landwirtschaftlicher Praxis werden. Obwohl dies keine leichte Aufgabe ist, muß die Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung in der landwirtschaftlicher Praxis mit einbezogen werden. Damit die Reform eine hohe Effizienz erreicht, müssen der ökonomische Anspruch der Landwirte und der Umweltanspruch der Allgemeinheit in Einklang gebracht werden.

 

8. Literatur

 

 

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(16) Commission of the European Communities, Directorate General VI, 1999. Agriculture and Environment, Brussels, 17.01.1999, (http://www.europa.eu.int/comm/dgO6/envir/en/ index.htm).

(17) Commission of the European Communities. 1999. Directions towards sustainable agriculture COM (99) 22 final, IP/ 99/48, CB-CO-99-047-EN-C, Luxembourg, 30 pp.

(18) Conservation Technology Information Center, CTIC, University of Purdue/ West Lafayette, Indiana, USA.

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Anhang 1. Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung

 

Direktsaat/No-tillage: Von der Vorfruchternte bis zur Aussaat bleibt der Boden mit Ausnahme der Nährstoffeinbringung unberührt. Pflanzen oder Aussaat erfolgt in Saatschlitze, die durch Zinkenschare, Reihenräumer, Scheiben oder rotierende Zinken ausgeformt werden. Unkrautkontrolle erfolgt vornehmlich mit wenig umweltbelastenden Herbiziden. Unter Umständen empfiehlt sich zur Bekämpfung aufgelaufener Beikräuter eine Bearbeitungsmaßnahme. Diese Verfahrensweise ist die beste Möglichkeit für eine umweltschonende Pflanzenproduktion.

Ridge-till (Dammkultur): Von der Vorfruchternte bis zur Aussaat bleibt der Boden mit Ausnahme der Nährstoffeinbringung unberührt. Die Bearbeitung beschränkt sich auf die Saatdämme, die durch Flügelschare Scheibenschare, Zinkenschare oder Reihenräumer ausgeformt werden. Pflanzenreste verbleiben zwischen den Saatdämmen auf der Bodenoberfläche. Beikrautkontrolle erfolgt vornehmlich mit wenig umweltbelastenden Herbiziden und /oder einer Bearbeitung.

Mulchbodenbearbeitung/Reduzierte Bodenbearbeitung/Minimalbodenbearbeitung: Der Boden ist vor der Aussaat gestört. Als Bodenbearbeitungswerkzeuge dienen Grubber, Kultivatoren, Scheibeneggen oder Flügelschare. Unkrautkontrolle erfolgt vornehmlich mit wenig umweltbelastenden Herbiziden und/oder einer Bearbeitung. Bei der «Nichtwendenden Bodenbearbeitung» wird unmittelbar nach der Ernte zur Einarbeitung der Pflanzenrückstände der Boden oberfächennah bearbeitet (aber nicht gewendet). Dies fördert das Auflaufen von Ausfallgetreide und Beikrautsamen und schützt durch die Auflage pflanzlicher Restsubstanzen den Boden in der vegetationslosen Zeit. Ausfallgetreide und Beikräuter werden chemisch bekämpft (vornehmlich mit wenig umweltbelastenden Herbiziden) und während der Aussaat in einer Überfahrt mit Drillkombinationen, die für die nicht-wendende Bodenbearbeitung geeignet sind, eingearbeitet.

Deckfrüchte: Aussaat geeigneter Sorten oder Selbstbegrünung in den Zwischenräumen von Baumkulturen oder als Zwischenfruchtglied schützen vor Bodenerosion und dienen der Beikrautkontrolle. Zwischenfrüchte. Die Bestandesführung der Deckfrüchte erfolgt überwiegend durch Herbizide mit vornehmlich wenig umweltbelastender Wirkung.

 

Anhang 2.

 

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Konventionelle Bodenbearbeitung. 1. Abflämmen des Strohs hinterläßt eine ungeschützten Boden, fördert den Prozeß der Bodendegradation und verursacht zusätzlich CO2-Emission in die Atmosphäre. 2 und 3. Bodenwendung durch Einsatz des Pfluges mit intensiver Sekundärbodenbearbeitung begünstigt Bodenerosion und verringert den Humusgehalt und die Biodiversität bei gleichzeitig hohen Verfahrenskosten. 4 und 5. Bodenverlust kann in vielen Gebieten Europas nach anhaltenden Regenperioden infolge von Erosion beobachtet werden. 6. Die infrastrukturelle offsite-Schäden, die durch Bodenerosion verursacht werden sind ebenso bedeutend und betragen 40% der Kosten, die durch Erosion verursacht werden (im Durchschnitt 32 EUR pro ha Ackerland).
   
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Konservierende Bodenbearbeitung. 1 und 2. Verbleibende Vorfruchtreste und/oder Zwischenfrüchte schützen den Boden vor Wasser- und Winderosion und reduzieren damit die Umweltbelastung. 3. Bodenfruchtbarkeit wird durch zunehmenden Humusgehalt und höhere Infiltrationsleistung gesteigert. 4. Beikrautkontrolle erfolgt normalerweise durch Anwendung von Herbiziden mit sehr geringer ökotoxikologischer Wirkung, welche die intensive und kostenaufwendige Bodenbearbeitung substituieren. 5. Hohe Mengen an Ernterückständen wirken sich positiv auf die Tierwelt aus, indem sie ihnen Nahrung und Schutz in kritischen Perioden bieten. 6. Zur Durchführung der konservierenden Bodenbearbeitung sind angepaßte Maschinenkonzeptionen notwendig.

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